Sanierung kostet 750 000 Euro

Das Ettenheimer Schwimmbecken braucht eine neue Folie

Das Schwimmerbecken im Ettenheimer Bad ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Die Kosten werden auf rund 750 000 Euro geschätzt.

Das Schwimmerbecken im Ettenheimer Bad – Jahrgang 1936 – ist in die Jahre gekommen und in einem bedauernswerten Zustand: Die Folienverkleidung aus dem Jahre 1983 ist undicht, der Beton darunter porös und die Ablaufrinne an vielen Stellen defekt, so dass es zu hohen Wasserverlusten kommt. Da reicht eine kosmetische Reparatur oder ein Lifting längst nicht mehr aus, um das Becken auf Dauer badetauglich zu erhalten. Die Stadt muss sanieren, und das für viel Geld will sie das Badevergnügen für die Ettenheimer sichern. Eine neue Folie statt einer Edelstahlauskleidung ist die günstigste der möglichen Varianten. Der Bauausschuss will mit der Empfehlung, die Folie zu ersetzen, in die Haushaltsberatungen 2011 gehen.

Doch selbst der Austausch der Folie verbunden mit einer kleineren Korrektur des Zugangs in das Schwimmerbecken – er soll künftig über eine halbkreisförmige breite Treppe von der schmalen Südseite erfolgen – wird die Stadt eine Stange Geld kosten. Nach der Kalkulation von Hans-Jörg Meier vom Schweizer Ingenieurbüro Hunziker Betatech rund 750 000 Euro.


Der Mitarbeiter des Ingenieurbüros, das als Spezialist für Schwimmbadsanierungen gilt und bereits die komplette Sanierung der Technik des Bades vor einem Jahr für die Stadt umsetzte, hatte am Donnerstag den Bauausschussmitgliedern eine umfangreiche Diagnose des Zustands des Schwimmerbecken vorgelegt und auch mehrere Varianten für die Sanierung sowohl in Ausführung als auch in der Kostenberechnung vorgestellt. Seine Diagnose glich dabei der Beschreibung eines Totkranken Patienten. Schon bei der Befüllung des Beckens vor der letzten Badesaison habe die Folie nicht mehr mitgemacht. Gleich zweimal habe man das aber wieder ablassen müssen, um auftretende Risse zu beseitigen. "Fürs Flicken der Folie mussten beim Wassereinlassen im Frühjahr rund 35 bis 40 000 Euro aufgewandt werden", rechnete Meier dem Ausschuss vor. Solche Überraschungen blühten der Stadt auch vor der nächsten Badesaison, weil die inzwischen fast 30 Jahre alte Folie an vielen Stellen brüchig und porös sei. Auch die Ablaufrinne am Beckenrand versage wegen Bodensenkungen und nur notdürftigen Reparaturen in den vergangenen Jahren ihre eigentliche Funktion. Sie wurde kaum mehr als ein Drittel der eigentlich geforderten Wassermengen mehr aufnehmen können und in den Kreislauf zurückführen. Die Folge: ein hoher Wasserverlust. Und schließlich ist der Betonuntergrund wegen der starken Wasseraustritte und dem direkten Kontakt von chloriertem Wasser und Beton beschädigt und kontaminiert. Die Diagnose: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Überdies sitzen der Stadt die Kontrolleure für Wasserqualität im Nacken, denn der Wasseraustausch im Becken findet nach wie vor in Längsrichtung statt. Die Durchströmungszeit sei zwar durch die neue Technik von 20 auf drei Stunden verkürzt worden, bei starker Sonneneinstrahlung und hoher Nutzung sinkt der Chlorwert des Wassers aber immer noch in kritische Bereiche. Auch hier leite sich, so Meier, Handlungsbedarf her.

Beikommen könne man der Malaise im Grunde nicht mehr durch Reparatur, sondern nur durch Erneuerung der Beckenverkleidung. Meier stellte die deutlich kostenintensivere aber langlebigere Edelstahlauskleidung der Folienauskleidung gegenüber. Erwähnt wurde von ihm auch die Möglichkeit einer Kombination von beiden, nämlich am oberen Beckenrand Edelstahl und um Beckenboden Folie. Se wurde in der Diskussion allerdings nicht weiter verfolgt. Zu den Auskleidungsvarianten stellte Meier überdies auch noch mehrere Varianten zur Neugestaltung des Zugangs zum Becken vor, das in einer Variante auch die Zuschüttung des Nichtschwimmerbereichs am Südende des Beckens vorsah. Eine Verkleinerung des Beckens lehnten die Ratsmitglieder allerdings ab.

Vorschlag des Bauausschusses geht jetzt in die Haushaltsberatungen


Bürgermeister Bruno Metz machte seine seiner Präferenz gleich zu Beginn der kurzen Diskussion deutlich. Auch wenn die Beckensanierung die Stadtkasse zur Unzeit treffe, so führe an ihr dennoch kein Weg vorbei. Nach der nächsten Badesaison solle sie nach seiner Auffassung auch angepackt werden und die Kosten so haushaltstechnisch auf zwei Jahre – 2011 und 2012 – verteilt werden. Metz plädierte auch klar für die "Folien-Variante". Zum einen rein pragmatisch wegen der Kosten – 750 000 Euro statt 1,2 Millionen Euro. Dann aber auch emotional: Eine Edelstahlwanne wirke auf ihn wie eine Blechwanne. Die blaue Folie in Verbindung mit Wasser wecke bei ihm mehr Emotionen.

Bernd Billharz (SPD) bewertete die Sanierung weniger emotional und auch nicht mit Blick auf die Herstellungskosten, sondern sah es eher perspektivisch. Das Argument "Lebensdauer" spreche für ihn für die Edelstahlverkleidung. Philipp Hunn (FLE) brachte es auf den Punkt: "Die Haushaltsberatungen in der nächsten Woche werden zeigen, was geht".